Magazin · Tierschutz aktiv · 12. Februar 2025 · 5 Min. Lesezeit
Vier Hunde – vier Schicksale: Die Opfer der spanischen Jagdindustrie
Jedes Jahr fallen Tausende Galgos und Podencos der spanischen Jagdindustrie zum Opfer. Sobald sie nicht mehr „nützlich“ sind, werden sie entsorgt – sofort getötet oder auf der Straße ausgesetzt. Die folgenden Geschichten zeigen das Leid, das hinter der Jagd steckt – und die zweite Chance, die sie dank Tierschützer erhalten haben.

Von Narben gezeichnet, aber voller Hoffnung: Galgo-Hündin Nena hat dank der Hilfe von Tierschützenden überlebt. Foto: VETO
Die verborgene Realität der Jagdhunde in Spanien
Galgos und Podencos sind die unsichtbaren Opfer einer grausamen Jagdindustrie. Während sie in Spanien als reine Werkzeuge für die Jagd betrachtet werden, erleiden sie unter dem Deckmantel der Tradition unvorstellbares Leid. Schon als Welpen werden sie mit brutalen Methoden für den Jagdeinsatz trainiert, kaum gefüttert und unter schlimmsten Bedingungen gehalten.
Doch die wenigsten von ihnen erleben mehr als ein paar Saisons – wer nicht schnell genug ist oder die Erwartungen nicht erfüllt, wird gnadenlos aussortiert.
Abgehängte, erschöpfte oder verletzte Hunde werden oft auf grausame Weise entsorgt. Manche werden einfach sich selbst überlassen und verhungern auf den Straßen, andere erleiden das berüchtigte „Klavierspielen“, bei dem sie langsam erhängt werden. Nur wenige schaffen es in ein Tierheim – und selbst dort sind die Kapazitäten überfüllt und die Ressourcen knapp.
Doch es gibt Hoffnung: Durch das unermüdliche Engagement von Tierschützenden können einige dieser Hunde gerettet werden. Ihre Geschichten zeigen nicht nur das erschütternde Leid hinter der Jagdindustrie, sondern auch die unermüdliche Arbeit derjenigen, die ihnen eine zweite Chance ermöglichen. Die folgenden Schicksale stehen stellvertretend für Tausende Jagdhunde, die Jahr für Jahr unter der Jagd in Spanien leiden.
Von der Jagdindustrie aussortiert – Nenas Weg zurück ins Leben
Nena ist ein Symbol für die Grausamkeit der Jagdindustrie. Mit völlig zertrümmertem Hinterlauf wurde sie im Straßengraben gefunden, wahrscheinlich von einem Auto erfasst, nachdem sie ihrem Besitzer nicht mehr „nützlich“ war. Ihre Schmerzen müssen unerträglich gewesen sein. In der Tierklinik wurde eine Fraktur des Oberschenkels, des rechten Kreuzbeins, des Schambeins und des Sitzhöckers diagnostiziert.
Wie Nena ergeht es jedes Jahr Tausenden Jagdhunden in Spanien. Sobald sie nicht mehr leistungsfähig genug sind, werden sie von ihren Besitzern aussortiert – oft mit fatalen Folgen. Manche stürzen erschöpft bei Hetzjagden, andere werden absichtlich ausgesetzt oder schwer verletzt zurückgelassen. Statt medizinischer Hilfe erwartet sie meist ein qualvoller Tod. Nur wenige haben das Glück, gerettet zu werden und eine zweite Chance zu bekommen.
Für Nena begann mit ihrer Rettung ein langer und beschwerlicher Heilungsprozess. Trotz mehrerer Operationen blieb sie stark. Doch nicht nur ihre Knochen waren gebrochen – auch ihr Vertrauen in Menschen war tief erschüttert.
Dank der unermüdlichen Arbeit der Tierschützenden des Vereins Galgos del Sur konnte Nena sich schrittweise erholen und die grausamen Erlebnisse verarbeiten. Tierschützerin Gudrun Sauter von Tierschutz Spanien e. V. und Nena wuchsen in dieser Zeit eng zusammen.
Nach monatelanger Rehabilitation hat Nena bei Gudrun ein Zuhause gefunden, in dem sie endlich ohne Angst leben darf.
Nur knapp der grausamen Tradition entkommen: Ariel ist endlich in Sicherheit
Als Ariel von Spaziergängern in Spanien entdeckt wurde, war ihr Hals ringsum von einer klaffenden Wunde umschlossen – ein trauriges Zeichen für eine grausame Praktik innerhalb der spanischen Jagdtradition. Vermutlich im letzten Moment konnte die Galgo-Hündin ihrem verheerenden Schicksal entkommen.
Ariel hat wahrscheinlich nur knapp das sogenannte Klavierspielen überlebt. Jagdhunde, die nicht die gewünschte Leistung erbringen und aus Sicht der Jäger ihre Ehre verletzt haben, werden hierbei mit einem Strick oder einem Kabel an einem Baum aufgehängt, sodass ihre Hinterpfoten gerade noch so den Boden berühren. Irgendwann verlässt auch den stärksten Hund die Kraft und das Tier wird erhängt.

Galga Ariel ist der Jagdindustrie nur knapp lebend entkommen. Foto: VETO
Noch immer ist das Klavierspielen für einige Besitzer Teil der Tradition. Selbst die letzten Momente ihres Lebens werden für die Jagdhunde damit zur unvorstellbaren Qual.
Ariels Zustand ließ darauf schließen, dass sie bereits vor dem Klavierspielen viel Leid ertragen musste. Mehrere Narben verteilten sich auf dem völlig abgemagerten Körper der Galgo-Hündin und an der linken Vorderpfote wurde ein alter Bruch festgestellt. Wäre Ariel nicht entdeckt worden, hätte sie auf der Straße in diesem Zustand vermutlich nicht mehr lange überlebt.

Als Ariel gefunden wurde, bestand sie nur noch aus Haut und Knochen Foto: VETO
Die misshandelte Hündin wurde zur Auffangstation der Fundación Benjamín Mehnert in Sevilla gebracht. Trotz ihrer grausamen Erfahrungen hegte Ariel keinerlei Groll gegenüber Menschen und freute sich in der Auffangstation über jede Art der Zuneigung.
Durch die Pflege und Fürsorge in der Fundación Benjamín Mehnert wurde Ariels Wunde am Hals von Tag zu Tag besser. Die Galgo-Hündin kam zu Kräften und fand schließlich das große Glück: Über einen französischen Partnerverein wurde Ariel in ein liebevolles Zuhause vermittelt.
Entsorgt wie Müll: Nach viel Leid bekommt Maru eine zweite Chance
Auch Maru ereilte ein häufiges Schicksal von Jagdhunden in Spanien. Vermutlich wurde sie ausgesetzt, sobald man ihrer überdrüssig war und dem jämmerlichen Dasein auf der Straße überlassen.
Podencos wie sie werden meist in sogenannten Rehalas gehalten. Unzählige Hunde werden dort fernab der Öffentlichkeit in dunklen Verschlägen untergebracht.
Tierschützende, die Hunde aus diesen Rehalas retten, berichten von schrecklichen Bedingungen, unter denen die Tiere dort gehalten werden. Die Podencos und anderen Jagdhunde bekommen kaum Futter oder Wasser, werden an kurzen Ketten gefesselt und müssen tagein tagaus inmitten ihrer Exkremente verbringen – dehydriert, unterernährt und meist voller Parasiten. Medizinische Behandlungen oder menschliche Zuneigung lernen sie dort nie kennen.

Viele Jagdhunde verbringen ihr gesamtes Leben in den überfüllten Verschlägen. Sie leben und sterben abseits der Öffentlichkeit. Foto: VETO
Doch auch wenn Hunde wie Maru lebend aus der Rehala herauskommen, warten auf der Straße weitere Gefahren auf sie. Wie unzählige andere Hunde jedes Jahr wurde Maru angefahren und schwer verletzt einfach zurückgelassen.
Durch Zufall wurde die Hündin von der Polizei gefunden. Tierschützende aus dem Partnertierheim des Vereins Hundeschnauzen in Not wurden informiert und brachten die junge Podenco-Hündin unverzüglich in eine Tierklinik.
Dort wurden zwei Stellen an Marus Vorderbein genäht. Viel schlimmer stand es jedoch um eines ihrer Hinterbeine. Beim Röntgen wurde eine Fraktur festgestellt. Die Diagnose: Um eine Fehlstellung zu vermeiden, muss die Hündin schnellstmöglich operiert werden. Wird nicht rechtzeitig eingeschritten, müsste das Bein sonst im schlimmsten Fall amputiert werden.
Maru ist erst ein bis zwei Jahre alt, ihr ganzes Leben liegt noch vor ihr. Für die Tierschützenden stand fest: Sie werden für Marus Genesung kämpfen und alles in ihrer Macht Stehende tun, um ihr ein schmerzfreies und glückliches Leben zu ermöglichen.
Doch die Kosten für die Operation beliefen sich auf rund 1.600 Euro. Hohe Tierarztkosten wie diese stellen Tierschutzvereine vor enorme Herausforderungen, denn selten handelt es sich um einen einzelnen medizinischen Notfall, der behandelt werden muss.

Kann ein Podenco wie Maru nicht mehr jagen, gilt er als nutzlos. Tierschützende sind für diese Hunde die einzige Chance auf Rettung. Foto: Hundeschnauzen in Not e. V.
Dank Unterstützung der VETO-Community konnte Marus OP stattfinden. Die Hündin hat den Eingriff gut überstanden und darf sich derzeit auf einer Pflegestelle erholen. Sobald sie genesen ist, wird sich der Verein Hundeschnauzen in Not um eine Vermittlung nach Deutschland kümmern.
Verstoßen, doch nicht am Ende: Pippa fasst neuen Mut
Pippa wurde von einem anderen Hund angegriffen und schwer verletzt. Ihr Besitzer wollte sie anschließend nicht mehr.
Dieses Schicksal beobachten die Tierschützenden in Spanien nur allzu oft. Wenn sich Jagdhunde verletzen, sind sie für ihre Besitzer wertlos. Sie werden nicht versorgt oder behandelt. Während Hunde, die als Haustier gehalten werden, in eine Tierklinik gebracht werden, werden Jagdhunde, die lediglich als Jagwerkzeug dienen, verstoßen.
Pippas Körper war von dem Angriff von vielen offenen Wunden überzogen. Außerdem war eine ihrer Zehen an der Vorderpfote gebrochen und die Galgo-Hündin hatte vermutlich stressbedingt viel Fell verloren.
Pippa hatte Glück. Anders als unzählige andere Jagdhunde wurde sie nicht auf der Straße ausgesetzt, sondern Tierschützenden übergeben. Der Verein A.S.P.A. friends nahm Pippa auf und brachte sie in Sicherheit.
Die traumatischen Erlebnisse hinterließen auch seelische Spuren bei Pippa. Gegenüber den Tierschützenden und anderen Hunden war die zarte Hündin anfangs noch sehr zurückhaltend und skeptisch.
Nach und nach merkte Pippa jedoch, dass es diese Menschen gut mit ihr meinten und freute sich über deren Aufmerksamkeit und Zuwendung. Auch ihre Wunden verheilten gut, sodass die Galgo-Hündin bereit für ein neues Leben ist. Zu einem endgültigen Happy End fehlt Pippa nur noch ein liebevolles Für-Immer-Zuhause.
Gemeinsam gegen die Ausbeutung von Spaniens Jagdhunden
Nena, Pippa, Ariel und Maru haben es dank der Hilfe der Tierschützenden lebend aus der Jagdindustrie geschafft. Zehntausende sind derweil in dieser noch gefangen – und es werden unentwegt neue Hunde nachgezüchtet.
Tierschützende tun alles in ihrer Macht Stehende, um so viele Jagdhunde wie möglich zu retten. Doch gerade zum Ende der Jagdsaison ist die Lage dramatisch. Tagtäglich nehmen die Tierschutzvereine neue Tiere auf, die von den Jägern aussortiert wurden. Viele von ihnen sind schwer verletzt und benötigen lebensnotwendige Operationen.
Ohne die Hilfe der Tierschützenden sind diese Hunde verloren, doch die hohe Anzahl an hilfsbedürftigen Tieren übersteigt die Kapazitäten und finanziellen Mittel der Tierschutzvereine um ein Vielfaches.
Mit der Kampagne Hilfe für Galgos in Not sammelt VETO gezielt Spenden, um die Tierschützenden in Spanien bei der Versorgung der misshandelten Jagdhunde mit Futter und medizinischen Behandlungen zu unterstützen.
Spende jetzt und sorge dafür, dass nicht weitere Leben der Jagdindustrie zum Opfer fallen. Gib misshandelten Jagdhunden wie Nena, Maru, Ariel und Pippa mit uns die Chance auf ein sicheres und umsorgtes Leben. Damit ihre seelischen und körperlichen Schmerzen endlich ein Ende haben. Jede Hilfe zählt!