Magazin · Tierschutz aktiv · 11. Mai 2021 · 2 Min. Lesezeit
„Hunde-Toni": Tierschutz als Lebensaufgabe
Schon früh am Morgen beginnt für Antonio Antonaci die Arbeit im Tierschutz. In seinem Haus in Manduria und in seinem privaten Tierheim kümmert sich der Italiener um heimatlose Hunde. Die Meisten nennen ihn einfach „Hunde-Toni". Lies hier seine Geschichte.

Bei Toni können heimatlose Hunde zur Ruhe kommen. Foto: Paradies für Tiere e. V.
Toni steht am Straßenrand und unterhält sich kurz mit einem Freund. Plötzlich läuft eine fremde Frau auf ihn zu und drückt ihm ein Bündel in den Arm: ein sechs Wochen alter Welpe, der ängstlich aus einem Handtuch schaut. Sie habe ihn im Internet gekauft und möchte ihn nun nicht mehr haben. Toni nimmt den kleinen Akira zu sich und päppelt ihn auf.
Akira ist kein Einzelfall. Seit Toni sich in seinem Heimatort für Hunde und Katzen einsetzt, werden ihm häufig Tiere gebracht, die kein Zuhause haben. Oft sind es Straßentiere oder Haustiere, die niemand mehr haben möchte. Toni nimmt sie bei sich auf. Er füttert sie nicht nur, sondern lässt sie auch medizinisch behandeln und kastrieren. So haben Tiere eine Chance auf ein neues Leben.
Tierschutz von Kindheit an
Schon als kleiner Junge hatte Toni ein Herz für Tiere. Immer wieder handelte er sich Ärger mit seiner Großmutter ein, weil er ständig Straßenhunde fütterte, die dann natürlich vor dem Haus der Familie Tag für Tag auf den kleinen Toni warteten.
Als Jugendlicher zog Toni nach Deutschland, wo ein Hund selbstverständlich sein treuer Begleiter wurde. Nur selten besuchte er damals seine alte Heimat Italien. Wenn er einmal dort Urlaub machte, zwang er sich, die Augen zu verschließen vor dem Leid der Tiere, das ihm dort begegnete. Denn was hätte er als junger Mensch ganz alleine schon ausrichten können?
Seine Frau kam 2008 auf die Idee einen Langzeitaufenthalt in der Nähe seines Heimatortes zu planen, um Land und Leute besser kennenzulernen. Dass diese Reise ihr Leben komplett verändern würde, ahnten beide damals nicht.

Hundeliebe pur: Toni verbringt jeden Tag mit seinen Schützlingen. Foto: Paradies für Tiere e. V.
Eine zufällige Begegnung als Wendepunkt
Toni saß in Süditalien mit seiner Frau und seinen beiden Hunden Sharo und Garry auf der Terrasse eines Strandcafés, als er die Straßenhündin Mandy kennenlernte. Erst wagte sie sich nur vorsichtig an die unbekannten Menschen heran, die eigentlich nur in Ruhe ein Eis essen wollten. Doch nach ein paar Streicheleinheiten fasste Mandy Vertrauen und wich Toni von jetzt an nicht mehr von der Seite. Sie war das erste Tier, das Toni in Italien rettete. Doch sie sollte nicht das letzte bleiben.
Drei Wochen später an einem Gewittertag fand Toni zwei weitere Hunde. Es waren vier Monate alte Welpen, die an einem Baum angebunden einfach im Stich gelassen wurden. Kurzentschlossen nahm Toni die beiden zu sich. Einige Tage später ging es zurück nach Deutschland; mit fünf Hunden, aber ohne Gepäck. Dafür war im Auto einfach kein Platz mehr.
Zwei Jahre später kehrten Toni und seine Frau zurück und kauften den Olivenhain, der heute ein Zufluchtsort für Hunde ist.

Einzelkämpfer Toni baut die Gehege für seine Hunde selbst. Foto: Paradies für Tiere e. V.
SuTo Diana – ein Ort der Hoffnung
Vor mittlerweile elf Jahren entschied Toni, sich in Manduria in der Provinz Taranto seinen Traum zu erfüllen: Aus dem Olivenhain sollte ein Platz für ungeliebte und ungewollte Hundeseelen werden; ein Ort, an dem schutzlose Vierbeiner in Sicherheit sind.
Toni ist ein Mann der Tat! In viel Eigenleistung baute er Stück für Stück sein eigenes Tierheim auf: SuTo Diana. Seitdem kümmert sich Toni hingebungsvoll um Vierbeiner, die außer ihn niemanden haben. Meist befinden sich im Tierheim zwischen 50 und 70 Hunde. Sehr junge oder besonders hilfsbedürftige Tiere bringt Toni aber auch bei sich zu Hause unter, um sie jederzeit pflegen und füttern zu können.
Zusätzlich kümmert sich der Tierschützer um Straßenkatzen, die er an Futterstellen mit dem Nötigsten versorgt. Tierarztbesuche und Verwaltungsarbeit stehen ebenfalls auf dem Tagesplan des Italieners. Es vergeht keine Stunde, in der sich Toni nicht seinen Vierbeinern widmet.

Fütterung im Akkord: Toni kämpft für jeden einzelnen Welpen. Foto: Paradies für Tiere e. V.
Jeder Hund ist für Toni besonders
Liebevoll nennt Toni die Hunde seine „Babys“. Jeder Vierbeiner erhält als erstes einen Namen, wenn er im Tierheim aufgenommen wird. Die Hunde werden aufgepäppelt und umsorgt. Gemeinsam mit dem deutschen Verein Paradies für Tiere sucht Toni für seine Babys ein neues Zuhause. Obwohl er nun schon über ein Jahrzehnt Tiere rettet und vermittelt, fiebert er bei jedem einzelnen Schützling mit und gibt alles, damit er eine glückliche Zukunft hat.
Besonders liegen ihm die Welpen am Herzen, die oft einfach zum Sterben irgendwo auf einem Feld zurückgelassen werden. Toni zieht sie alle mit der Flasche groß – das bedeutet viele schlaflose Nächte. Doch diese Strapazen nimmt der Tierschützer gerne auf sich. Was ihn aber verzweifeln lässt, ist die Ignoranz und Respektlosigkeit vieler Menschen.
„Ende letztes Jahr fanden wir einige Welpen, die nicht einmal 24 Stunden alt waren. Drei haben überlebt, weil wir sie mit Fläschchen retten konnten. Gestern haben wir nun an derselben Stelle wieder Welpen gefunden, die den letzten sehr ähnlich sind. Wahrscheinlich von derselben Mutter. Sie hatte nicht einmal die Chance, ihren Kleinen die Nabelschnur richtig abzutrennen.“
Der Grundstein für Tierschutz: Aufklärung
Im Süden Italiens steigt die Anzahl der Straßentiere rasant an. Für viele Menschen haben Hunde und Katzen keinen Wert. Sie werden als Spielzeug für die Kinder angeschafft und nach einer Weile einfach entsorgt. Kastriert sind Haustiere nur selten, daher vermehren sie sich unkontrolliert, was zu einer hohen Population an freilebenden Hunden und Katzen führt.
Toni kümmert sich daher nicht nur um seine Schützlinge, sondern klärt auch auf. Immer wieder sucht er Gespräche mit Tierhalter*innen und Politiker*innen, um für die Belange der Tiere zu sensibilisieren. Denn Tierschutz fängt in den Köpfen der Menschen an. Sie müssen verstehen, dass Hunde und Katzen fühlende Lebewesen sind, die Respekt verdienen. Seit Toni den Tieren vor Ort eine Stimme gibt, hat sich die Einstellung der Menschen bereits verbessert. Doch es ist noch ein langer Weg.
Große Strapazen, wenig Futter
Inzwischen ist Toni nicht mehr der Jüngste. Die schweißtreibende Arbeit verrichtet er meist ganz allein. Besonders in den heißen Sommermonaten hat Toni mit der Anstrengung zu kämpfen. Mittags ist es im Olivenhain so heiß, dass er es dort nur schwer aushält, doch all seine Hunde müssen versorgt werden. Streikt sein Stromaggregat, kann er seine Wasserpumpe nicht in Betrieb nehmen und schleppt das Trinkwasser für seine Tiere in Kanistern über das riesige Gelände. Ein Knochenjob!
Schlimmer als die körperliche Belastung ist für Toni aber die Sorge um seine Tiere, denn das Futter ist immer knapp. Im Sommer wird so wenig gespendet wie in keiner anderen Jahreszeit und Tonis Hunde sind hungrig.

Schnell in den Schatten: Die Hitze erschwert Tonis Arbeit im Tierheim. Foto: Paradies für Tiere e. V.
Gut vorgesorgt für den Sommer
Dank unserer Spendenaktion Futter für die Vergessenen konnten der Verein Paradies für Tiere und weitere Organisationen, die in beliebten Urlaubsländern aktiv sind, mit ausreichend Futter für ihre Schützlinge versorgt werden. Das Futter kam genau zur richtigen Zeit, so dass die Tiere den heißen Sommer sicher überstehen können. Genug Nahrung für Hunde und Katzen vorrätig zu haben, bedeutet viel für die Tierschützer*innen vor Ort. Im Namen der Hunde und Katzen in beliebten Urlaubsländern sagen wir danke für die vielen Futterspenden.